PRAXIS DR. MED. PIERRE VILLARS
Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe
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Aktuell: Kaiserschnitt auf Wunsch?

Der Jahreskongress 1999 der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und ein Expertentreffen "State of the Art" im Herbst 2000 an der Universitätsfrauenklinik Zürich (Prof.A.Huch) waren diesem brisanten Thema gewidmet. Noch vor wenigen Jahren überboten sich die öffentlichen Spitäler mit Angaben zu einer möglichst niedrigen Kaiserschnitt-Häufigkeit, und der Kaiserschnitt auf Wunsch (besser: geplanter Kaiserschnitt) war verpönt. Weshalb dieser grundlegende Wandel?

Für das Kind ist der geplante Kaiserschnitt am sichersten.
Der Patienten-Wille wird viel stärker gewichtet. Nicht mehr der Arzt oder die Hebamme allein wissen, was für die Schwangere gut ist. Es findet ein Dialog statt zwischen  Kompetenz der Schwangeren für ihr persönliches Wertesystem und Kompetenz des Arztes für Diagnose und Behandlung.
Das Operations-Management beim Kaiserschnitt wurde einfacher, angenehmer und sicherer. Dank neuen, gewebeschonenden Operationstechniken,  sofortigem Kostaufbau und rascher  Mobilisation kann die Patientin nach geplantem Kaiserschnitt bereits nach wenigen Tagen das Spital verlassen. Konsequente Thrombose- und Antibiotikaprophylaxe, Verzicht auf Vollnarkose zugunsten der Regionalanästhesie und fachärztlich kompetente Betreuung in gut ausgerüsteten Kliniken haben die Komplikationsrate auf ein immer tieferes Niveau gesenkt.
Die Spätfolgen einer (traumatischen) vaginalen Geburt werden mehr gewichtet.
Neue Erkenntnisse (aus Ultraschall- und MRI-Untersuchungen) betreffend Veränderungen der Beckenbodenstrukturen, belegen den Zusammenhang zwischen vaginalem Geburtsmodus und späterem Urin- und Stuhlverlust.

Vor- und Nachteile für das KIND (*)

Vorteile Kaiserschnitt

Nachteile Kaiserschnitt

Geringste Sterblichkeit (kein Absterben während Geburt, kein Absterben im Mutterleib zwischen 38 und 40 Wochen)

Mehr Adaptationsprobleme (das Kind braucht manchmal eine vorübergehende Überwachung, ist aber nie in Lebensgefahr)

Keine Schädigung während Geburt
(Risiko 1:500), weniger Infektionen

 

Vor- und Nachteile für die MUTTER (*)

Vorteile Kaiserschnitt

Nachteile Kaiserschnitt

Deutlich weniger Probleme mit ungewolltem Urin- und Stuhlverlust nach Geburt

Grössere Befriedigung durch normale Geburt (?)

Weniger Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und später oft besseres Gefühl als nach vaginaler Geburt

Leicht erhöhte Sterblichkeit (1:17'000 statt 1:43'000). Dies bezieht sich v.a. auf Notfall-Kaiserschnitt.

Keine Spätschäden des Beckenbodens  
(insbesondere Urin - und Stuhlverlust)

Geringgradig erhöhtes Risiko von Plazentatiefsitz bei späteren Schwangerschaften

 Kein schlechtes Geburtserlebnis nach langer und schmerzhafter Geburt

Etwas erhöhtes Risiko für Infektionen (Wunde, Blase) im Zusammenhang mit der Operation

Zusammengefasst: 

Die natürlichste Geburt ist die vaginale Geburt ohne Dammschnitt, ohne Zange/Saugglocke und ohne Komplikationen. Eine alternative Geburt kann unter Umständen ein geplanter Kaiserschnitt mit 38 bis 38 1/2 Wochen sein. Die planbare Variante kann Ihnen der Arzt praktisch garantieren, während die natürliche vaginale Geburt von einigen Launen der Natur abhängt, die wir nicht immer steuern können. Die Schwangere bzw. das Paar kann heute zwischen der Erfahrung einer natürlichen Geburt mit beschränkt planbarem Ausgang und der planbaren Gewissheit abwägen und mit ihrem persönlichen Wertesystem in Einklang bringen.

Falls Sie sich mit dem Gedanken nach einem geplantem Kaiserschnitt befassen, bin ich gerne bereit, Ihnen in einem ausführlichen Gespräch die Vor- und Nachteile objektiv darzulegen und mit Ihnen zusammen eine Lösung zu finden, die ich medizinisch verantworten kann. Dies kann ein geplanter Kaiserschnitt sein oder bei Angst vor Geburtsschmerzen wäre auch alternativ eine Geburt in Periduralanästhesie zu diskutieren. Ebenso können wir auch den Einsatz von Akupunktur und Homöopathie oder Geburt im Wasserbad besprechen.

(*) Meine Aussagen basieren im Wesentlichen auf dem Buch "Sectio caesarea" (Prof. A.+ R. Huch, Prof. R.Chaoui / Verlag UNI-MED 2001)

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Stand: 15. Oktober 2007