C Sterilitätsursachen
Die Ursachen für eine Sterilität (ein Jahr regelmässiger, ungeschützter Geschlechtsverkehr ohne Eintritt einer Schwangerschaft) können sehr vielfältig sein.

1. Weibliche Fruchtbarkeitsstörungen

1.1 Störungen der Eireifung und des Eisprungs

In jeder Phase des Zyklus kann eine hormonelle Fehlfunktion vorliegen, die den normalen Regelkreis zwischen Hypophyse und den Eierstöcken stört und dadurch eine normale Reifung der Eizellen und den Eisprung verhindert. Störungen bei der Eireifung und beim Eisprung sind bei der Frau die häufigste Ursache für Unfruchtbarkeit.

Man unterscheidet zwischen dem völligen Ausbleiben des Eisprungs (Anovulation) und dem seltenen und/oder unregelmässigen Auftreten des Eisprungs. Bekommt eine Frau nur selten ihre Menstruation (Oligomenorrhoe) oder bleibt die Monatsblutung ganz aus (Amenorrhoe), ohne dass eine Schwangerschaft vorliegt, besteht der Verdacht auf eine Störung beim Eisprung. Allerdings können Störungen der Eierstockfunktion auch bei Frauen vorkommen, die scheinbar eine vollkommen normale Monatsblutung haben.

1.2 Störungen im Bereich des Gebärmutterhalses oder der Gebärmutter

Zu den Störungen im Bereich des Gebärmutterhalses, die zu Unfruchtbarkeit führen können, gehören z.B. anatomische Fehlbildungen, Infektionen, aber auch die schlechte Qualität des Gebärmutterhalsschleims, der eine wichtige Rolle für die Fortbewegung der Spermien durch den Geschlechtstrakt der Frau spielt. Gutartige Tumore oder eine starke Vernarbung der Gebärmutterwand können ebenfalls für die Unfruchtbarkeit mitverantwortlich sein.

1.3 Geschädigte Eileiter

Die Eileiter können ganz oder teilweise verschlossen sein und so ein Zusammentreffen von Spermien und Eizelle verhindern (tubare Sterilität). Eileiterverschlüsse können eine Reihe von Ursachen haben. Dazu gehören Infektionen, Endometriose oder Verwachsungen infolge chirurgischer Eingriffe. Auch aufgrund einer vorherigen Eileiterschwangerschaft können die Eileiter beschädigt worden sein.

1.4 Endometriose

Bei der Endometriose wächst das Schleimhautgewebe
der Gebärmutter an Orten ausserhalb der Gebärmutter (z.B. in den Eileitern, den Eierstöcken oder der Bauchhöhle), was häufig zu Schmerzen führen kann.
Durch Endometriose können sich die Eileiter vollständig verschliessen oder in ihrer Funktionsfähigkeit eingeschränkt werden und dadurch Unfruchtbarkeit verursachen.

1.5 Weitere Ursachen

Neben den oben genannten Ursachen können weitere Faktoren wie beispielsweise starkes Unter- oder Übergewicht, Nikotin oder übermässiger Alkoholkonsum die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Da auch einige Medikamente in unterschiedlicher Art und Weise den hormonellen Regelkreis beeinflussen können, sollten Sie Ihren Arzt über die regelmässige Einnahme von Arzneimitteln informieren.

2. Männliche Fruchtbarkeitsstörungen

Die männliche Unfruchtbarkeit spielt bei etwa 50% aller unfruchtbaren Paare eine entscheidende Rolle. Um eine erfolgreiche Sterilitätsbehandlung durchzuführen, ist es deshalb unerlässlich, den Partner in die Untersuchung miteinzubeziehen. Die wichtigsten Ursachen männlicher Unfruchtbarkeit lassen sich in die folgenden Kategorien einteilen.

2.1 Störungen bei der Spermienproduktion

Als Gründe für eine eingeschränkte Zeugungsfähigkeit können eine verminderte Anzahl von Spermien, eine schlechte Beweglichkeit oder eine erhöhte Anzahl von Spermien mit abnormer Form vorliegen. Oftmals liegen gleichzeitig zwei oder gar drei Gründe vor. Zahlreiche Faktoren können sich ungünstig auf die Spermatogenese auswirken. Dazu gehören:

Infektionskrankheiten

Infektionskrankheiten (z.B. durch das Mumpsvirus) können eine Infektion des Genitaltrakts mit einer Entzündung und Atrophie (Schwund) der Hoden hervorrufen.

Endokrine Störungen

Endokrine oder hormonelle Störungen sind nur für einen kleinen Teil männlicher Unfruchtbarkeit verantwortlich. Zu den häufigsten hormonellen Ursachen gehört die unzureichende Bildung der für die Testosteron- und Spermienproduktion verantwortlichen Hormone FSH und LH.

Weitere Ursachen

Schädliche Umwelteinflüsse und die Lebensweise können die Spermienqualität ebenfalls herabsetzen. Auch bei erhöhter Strahlenbelastung oder nach bestimmten Formen der Krebstherapie besteht die Gefahr, dass die Spermienbildung vorübergehend oder dauerhaft gestört ist.

2.2 Anatomische Fehlbildungen

Anatomische Veränderungen an den Fortpflanzungsorganen können ebenfalls Unfruchtbarkeit hervorrufen, z.B. wenn der Samenfluss teilweise oder sogar gänzlich blockiert ist. Einige solcher krankhafter Veränderungen sind angeboren, andere entstehen durch eine Infektion oder Entzündung. Auch Operationen können der Grund für anatomische Veränderungen sein, wenn etwa Narbengewebe den Geschlechtstrakt verschliesst.

Eine Krampfader im Bereich der Hoden (Varikozele) kann ebenfalls aufgrund der höheren Temperatur im Hodengewebe die Spermienqualität erheblich vermindern. Varikozelen können operativ beseitigt werden.

3. Immunologische Faktoren

Bestimmte Abwehrmechanismen im Körper können sogenannte Antikörper bilden, die sich an die Samenzellen anlagern und diese in der Beweglichkeit behindern, wodurch eine Befruchtung erschwert bzw. unmöglich wird. Beide Partner können betroffen sein. So können z.B. im Gebärmutterhalsschleim Antikörper gegen die Spermien des Mannes auftreten oder der Mann bildet selbst Antikörper gegen seine eigenen Spermien.

4. Psychische Faktoren

Bitte denken Sie daran, dass eine ungewollte Kinderlosigkeit oftmals auch psychische Ursachen haben kann. Dass unser Körper auf bestimmte Stimmungen, im Positiven wie im Negativen, reagieren kann, hat bestimmt jeder einmal erlebt. So können Angst, Ärger und Stressgefühle den Hormonhaushalt durcheinander bringen. Genauso kann ein übersteigerter Kinderwunsch Ihren Körper negativ beeinflussen.