E Therapiemöglichkeiten und ihre Erfolgsaussichten (forts.)
3.3 Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Beschreibung

  • Mikroskopisch unterstützte Methode zur Befruchtung in vitro, bei der ein einziges Spermium ausgewählt und direkt in die Eizelle injiziert wird (vgl. Abb. unten).
  • Diese Methode wird durchgeführt mit Eizellen, die nach einer Stimulation mit Gonadotropinen wie bei der IVF entnommen werden.

Häufige Indikationen

  • Schwere männliche Unfruchtbarkeit, bei der nur sehr wenige normale Spermien vorhanden sind und/oder eine stark eingeschränkte Befruchtungsfähigkeit der Spermien vorliegt.

Bemerkungen

  • ICSI stellt inzwischen eine Alternative zur Insemination mit Spendersamen dar.

3.4 Mikrochirurgische epididymale Spermienaspiration (MESA)

Beschreibung

  • Spermien werden direkt aus den Nebenhoden entnommen (Teil der Hoden, in dem die Spermien reifen und gelagert werden).
  • Die Befruchtung erfolgt mittels ICSI.

Häufige Indikation

Fehlen der Spermien im Ejakulat (Azoospermie), z.B. Fehlen des Samenleiters.

Bemerkungen

Häufig können bei einem Eingriff genügend Spermien entnommen werden, um sie im Bedarfsfall für eine spätere Behandlung einzufrieren.

 

3.5 Testikuläre Spermienextraktion (TESE)

Beschreibung

  • Eine Hodenbiopsie wird durchgeführt, um Spermien direkt aus dem Hodengewebe zu entnehmen.
  • Die Befruchtung erfolgt mittels ICSI.

Häufige Indikation

  • Fehlen der Spermien im Ejakulat bei gleichzeitigem Fehlen der Spermien in den Nebenhoden.

Bemerkungen

  • TESE wird angewendet, wenn MESA nicht möglich ist.

Die verschiedenen Behandlungsformen, die wir Ihnen vorgestellt haben, stellen keine feste Reihenfolge dar. Ein Therapieplan muss individuell für jedes Paar erstellt werden, wobei oftmals die einzelnen Behandlungsformen miteinander kombiniert werden. So ist es verständlich, dass eine erfolgreiche Sterilitätsbehandlung auch einige Monate in Anspruch nehmen kann. Doch dies unterscheidet sich nur unwesentlich von den natürlichen Abläufen, da die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft ähnlich ist wie bei gesunden Paaren.

Leider kann Ihnen auch bei diesen Methoden eine Schwangerschaft nicht garantiert werden.

4. Gelegentliche unerwünschte Folgen

Wie Sie sicherlich wissen, kann jede Behandlung auch unerwünschte Folgen haben. Die medikamentöse Sterilitätsbehandlung birgt durch die Hormongaben zur Unterstützung der Eizellentwicklung ein höheres Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft als bei einer natürlichen Schwangerschaft. Darüber hinaus kann es, bedingt durch die Heranreifung mehrerer Eibläschen, zur ovariellen Überstimulation mit Symptomen wie z.B. einer Vergrösserung der Eierstöcke oder Zystenbildung kommen. Durch engmaschige Kontrollen mittels Ultraschall und Östrogenbestimmungen im Blut wird das Risiko dieser unerwünschten Folgen jedoch vermindert. Allerdings ist Ihre aktive Mitarbeit hier erforderlich, indem Sie die vorgeschriebenen Untersuchungstermine genau einhalten. Die Anzahl der Fehlgeburten in der Frühschwangerschaft sind nach einer Sterilitätsbehandlung möglicherweise höher als nach einer natürlichen Schwangerschaft. Die Ursachen dafür konnten bis heute noch nicht eindeutig geklärt werden.