E Therapiemöglichkeiten und ihre Erfolgsaussichten (forts.)
2. Mikrochirurgische Operationstechniken

Bei einem Verschluss der Eileiter kann eine mikrochirurgische Operation, d.h. eine Operation mit Vergrösserungshilfen, wie Lupen oder Operationsmikroskopen, helfen.

Die Operationen werden in Vollnarkose durchgeführt und erfordern einen Krankenhausaufenthalt von ca. 5-8 Tagen. Je nach Schwere der Schädigung des Eileiters, ist die Chance, nach der Operation schwanger zu werden, unterschiedlich hoch. Ist der Eileiter stark geschädigt, sinkt die Chance massiv. In diesen Fällen wird Ihr Arzt Ihnen zu einer der heute möglichen unterstützenden Massnahmen der Fortpflanzungsmedizin raten, um Ei und Samenzellen zusammenzubringen.

3. Unterstützende Fortpflanzungsmethoden

In einigen Situationen kann es hilfreich oder notwendig sein, mit einer die Fortpflanzung unterstützenden Massnahme, Ei- und Samenzelle gezielt zur Befruchtung zusammenzubringen. Die Methoden der unterstützten Fortpflanzung umfassen zahlreiche Techniken inklusive der Insemination, der
In-vitro-Fertilisation (IVF) und der intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI).

3.1 Insemination

Beschreibung

  • Eine grosse Anzahl normaler Spermien wird an den Eingang des Gebärmutterhalses oder tief in die Gebärmutter gebracht, so dass der Gebär mutterhals umgangen wird und die Spermien direkten Zugang zum Eileiter haben (vgl. folgende Abbildung).

 

  • Die Spermien werden für die Insemination im Labor vorbereitet, um die Befruchtungsfähigkeit zu erhöhen.

Häufige Indikationen

  • Vorhandensein von Antikörpern gegen die Spermien im Gebärmutterhalsschleim der Frau.
  • Männliche Unfruchtbarkeit aufgrund einer geringen Anzahl von Spermien oder zu wenig normalen Spermien (siehe auch ICSI).

Bemerkung

  • Eine Mindestanzahl lebensfähiger Spermien muss vorhanden sein.
  • Die Erfolgschancen sinken, wenn wenige Spermien gezählt werden oder nur wenige bewegliche Spermien vorhanden sind.

3.2 In-vitro-Fertilisation (IVF)

Beschreibung

  • Eine Hormonbehandlung mit hohen Gonadotropindosen wird durchgeführt, um die Eierstöcke so zu stimulieren, dass mehrere Eizellen heranreifen.
  • Die Eizellen werden entnommen und in vitro (im Reagenzglas) mit dem Samen des Partners oder mit Spendersamen befruchtet (vgl. Abb. unten).

  • Wenn eine Befruchtung erfolgt, werden üblicherweise 2 Tage nach der Eizellentnahme ein oder mehrere Embryonen in die Gebärmutter gebracht.

Häufige Indikationen

  • Fehlende oder schwer veränderte Eileiter oder Endometriose.
  • Männliche Unfruchtbarkeit durch Spermadefekte, die eine Befruchtung unmöglich machen.
  • Einige Fälle ungeklärter Sterilität.