E Therapiemöglichkeiten und ihre Erfolgsaussichten
Nachdem Ihr Arzt die Untersuchungen abgeschlossen und die Ursache für Ihre Kinderlosigkeit geklärt hat, wird er mit Ihnen die entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten besprechen. In den folgenden Abschnitten werden Ihnen verschiedene Therapiemöglichkeiten vorgestellt, die allerdings nicht immer genau mit der von Ihrem Arzt vorgeschlagenen Therapie übereinstimmen müssen.

1. Medikamentöse Therapie

1.1 Behandlung von Eireifungsstörungen

Clomifencitrat

Um die hormonellen Bedingungen für die Eireifung und den Eisprung zu verbessern, werden anfangs meist Tabletten mit dem Wirkstoff Clomifencitrat verordnet. Die Therapie dauert 5 Tage und wird am 3.-5. Zyklustag gestartet und am 7.-9. Zyklustag beendet. Die körpereigenen Hormone LH und FSH werden dadurch verstärkt ausgeschüttet und bewirken eine verbesserte Entwicklung der Eibläschen (Follikelreifung). Die Grösse der Follikel wird mittels Ultraschall in regelmässigen Abständen gemessen. Falls der Eisprung (Ovulation) nicht erfolgt, wird er durch Gabe einer Spritze des Hormons HCG gezielt ausgelöst. Es wird empfohlen, am Tag der Auslösung des Eisprungs durch HCG-Gabe und am darauffolgenden Tag Geschlechtsverkehr zu haben, da an diesen Tagen die grösstmögliche Chance einer Befruchtung besteht.

Je nach Reaktion der Eibläschen wird Ihr Arzt weitere Zyklen mit diesen Tabletten behandeln. Clomifencitrat kann als Nebenwirkung die Beschaffenheit des Gebärmutterhalsschleimes und den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut für die Einnistung des Embryos negativ beeinflussen. Deshalb prüft Ihr Arzt während einer Behandlung mit Clomifencitrat die Qualität des Gebärmutterhalsschleimes.

Gonadotropine

Die Therapie mit Gonadotropinen beginnt am 3.-5. Zyklustag (vgl. Abb.7). Die Gonadotropine werden täglich gespritzt. Nach 4-7 Behandlungstagen mit Gonadotropinen müssen Sie zur Ultraschalluntersuchung. Nun entscheidet Ihr Arzt über eine eventuelle Dosisanpassung.

Die täglichen Spritzen werden weiter gegeben, bis im Ultraschallbild ein Follikel im richtigen Entwicklungsstadium zu sehen ist. Nun wird mit dem Hormon HCG der Eisprung gezielt ausgelöst.

 

 

Danach wird, wie oben beschrieben, der Geschlechtsverkehr empfohlen. Falls keine Schwangerschaft eintritt, kann die Behandlung mit eventuell höherer Dosierung über weitere Zyklen fortgesetzt werden.

Handelt es sich um eine Eireifungsstörung, die lediglich durch ein hormonelles Ungleichgewicht verursacht ist, weist diese Therapie sehr hohe Erfolgsraten auf. So gibt es Patientinnen, die bereits nach 1 oder 2 Behandlungszyklen schwanger werden, aber auch Patientinnen, bei denen durch die Behandlung keine Schwangerschaft eintritt. Eine Garantie kann Ihnen leider niemand geben.

Früher konnten Gonadotropine nur mit Hilfe von Urin postmenopausaler Frauen gewonnen werden. Dank neueren Technologien ist es heute möglich, Gonadotro-pine biotechnologisch herzustellen.

Gonadotropine urinären Ursprungs

Die Produkte der 1. Generation, die humanen Menopausengonadotropine (HMG), sind aus Urin post-menopausaler Frauen extrahiert und nur unvollkommen gereinigt (vgl. Abb. unten). Sie bestehen zu nur 3-5% aus Wirkstoff (FSH und LH im gleichen Verhältnis) und zu mehr als 95% aus urinären Verunreinigungen.

 

Deshalb müssen HMG in den Muskel gespritzt werden, was für Sie tägliche Besuche beim Arzt oder einer anderen Medizinalperson während der Behandlung zur Folge hat. Ausserdem hat die zusätzliche Gabe von LH bei der grossen Mehrheit der Patientinnen negative Auswirkungen auf die Follikelreifung. LH hat nur bei einer kleinen Minderheit der Patientinnen eine positive Auswirkung. Durch Hormonbestimmungen kann Ihr Arzt abklären, ob die Gabe von LH für Sie eine positive Wirkung hat.

Neue Reinigungsverfahren haben in den 90er Jahren die Herstellung von einem hochgereinigten Produkt urinären Ursprungs ermöglicht, das mehr als 95% reines FSH enthält. Aufgrund seines hohen Reinheitsgrades kann hochreines FSH subkutan, also einfach unter die Haut, gespritzt werden. Dies ist eine wesentliche Verbesserung gegenüber den schmerzhaften intramuskulären Injektionen, die bei HMGs erforderlich sind.

Nach genauer Anleitung durch Ihren Arzt können Sie sich die tägliche Spritze selbst oder von Ihrem Partner geben lassen. Somit müssen Sie während der Therapie nicht täglich in die Klinik oder zu Ihrem Arzt vor Ort. Das spart Zeit und Geld, und Sie haben einen ungestörten Tagesablauf.